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Stolpersteine in Sarstedt

14 Stolpersteine sind in Sarstedt am 23. April 2012 gesetzt worden. Ein kleiner, in den Fußweg vor der letzten frei gewählten Wohnstätte eingelassener Stein, holt vor den Häusern Steinstraße 13, Steinstraße 21 und Lappenberg 1, die Opfer, die unter dem Nationalsozialismus verfolgt oder ermordet wurden, aus der Anonymität heraus und dorthin zurück, wo sie als Nachbarn gelebt haben.

Eine schlichte Messingplatte, verankert an der Oberfläche der Stolpersteine, trägt die Aufschrift "Hier wohnte" oder "Hier arbeitete" und darunter die Namen, Geburtsjahrgang und das weitere Schicksal des jeweiligen Opfers.

"Ein Mensch ist erst vergessen,
wenn sein Name vergessen ist."

Gunter Demnig

 

DIE SCHICKSALE

Lappenberg 1

Lappenberg Stolpersteine

Robert Neuberg wurde am 14.10.1860 in Sarstedt geboren. Von Beruf war er Kaufmann. Seit seiner Geburt wohnte er im elterlichen Haus Steinstraße 43 und ab 1935 im Haus Lappenberg 1 bei seinem Bruder Karl Neuberg. Am 23. Juli 1942 wurde Robert Neuberg nach Theresienstadt deportiert. Dort starb er am 09.10.1942 im Alter von 82 Jahren.

Dr. Otto Neuberg wurde am 16.12.1867 in Sarstedt geboren. Er war Facharzt und wohnte mit seiner Frau Anna, geborene Katzenstein, bei seinem Bruder Karl, Lappenberg 1. Am 3.12.1938 hat er Deutschland verlassen und ist nach New York ausgewandert.

Anna Neuberg, geborene Katzenstein, wurde am 21.01.1879 in Lemgo geboren. Mit ihrem Ehemann Dr. Otto Neuberg wohnte sie bis zu ihrer Auswanderung nach New York am 03.12.1938 im Haus Lappenberg 1. 



Steinstraße 13

Steinstraße 13 Stolpersteine

Ida Neuberg, geborene Rosenberg, wurde am 25.01.1879 in Hann.-Münden geboren. 1904 zog sie nach Sarstedt und heiratete den Kaufmann Julius Neuberg. Im Haus Steinstraße 13 führte sie mit ihrem Ehemann, der am 02.07.1925 verstarb, auch über seinen Tod hinaus ein gut gehendes Textilwarengeschäft. Am 01.04.1942 wurde Ida Neuberg nach Warschau deportiert. Danach verlieren sich ihre Spuren.

Gisela Neuberg wurde am 20.05.1909 in Sarstedt im Haus Steinstraße 13 geboren, wo ihre Eltern Julius und Ida Neuberg ein gut gehendes Textilwarengeschäft hatten. Ihre Deportation war im März 1942. Wohin die Deportation führte ist nicht bekannt. Über das Schicksal von Gisela Neuberg verlieren sich die Spuren.

Werner Freundlich wurde am 02.08.1922 in Landeck, Westpreußen, geboren. Von Beruf war der Schlosser. 1940 von Bad Rehburg kommend, wohnte er im Haus der Neubergs, Steinstraße 13. Am 31.03.1942 wurde er nach Warschau deportiert. Über das Schicksal von Werner Freundlich ist nichts bekannt. Im Jahr 1950 wurde er für tot erklärt.

Paula Gliksmann war polnische Staatsangehörige jüdischen Glaubens und wurde am 03.01.1914 in Köln geboren. Von 1936 bis zu ihrer Deportation (der Zeitpunkt ist nicht bekannt) war sie bei den Neubergs, Steinstraße 13, als Verkäuferin beschäftigt. Das Schicksal von Paula Gliksmann ist ungeklärt.

Milian Aschenbrandt wurde am 05.01.1892 in Sontra, Kreis Rotenberg/Hessen, geboren, heiratete 1922 die Sarstedterin Helene Binheim, wohnte zunächst für kurze Zeit in der Steinstraße 34, dann in der Hildesheimer Straße 26 und zuletzt in der Steinstraße 13. Am 31.03.1942 wurde Milian Aschenbrandt von Hannover nach Warschau deportiert. Danach verlieren sich seine Spuren.

Helene Aschenbrandt, geborene Binheim, wurde am 06.08.1895 in Sarstedt, Steinstraße 30, geboren. Ihre Eltern hatten einen kleinen Handel für Besen und Bürsten. Seit ihrer Verheiratung mit Milian Aschenbrandt im Jahr 1922 wohnte sie mit ihrer Familie in der Hildesheimer Straße 26 und zuletzt in der Steinstraße 13. Am 31.03.1942 wurde Helene Aschenbrandt nach Warschau deportiert. Über das weitere Schicksal ist nichts bekannt.

Ruth Aschenbrandt, geboren am 19.05.1929 in Hannover wohnte zunächst mit ihren Eltern Milian und Helene in der Hildesheimer Straße 26, zuletzt im Haus Steinstraße 13. Nach Zeugenaussagen wurde sie im März 1942 mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder nach Hannover transportiert. Das Deportationsziel und das Schicksal von Ruth Aschenbrandt ist nicht bekannt.
Sally Aschenbrandt, wurde am 15.06.1939 in Hildesheim geboren. Wenige Tage nach seiner Geburt, am 28.06.1939, sind die Eltern Milian und Helene von der Hildesheimer Straße 26 zur Steinstraße 13 umgezogen. Zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester wurde der kleine Sally mit seinen drei Jahren am 31.03.1942 nach Warschau deportiert. Das weitere Schicksal des Jungen ist nicht bekannt.

 

Steinstraße 21

Steinstraße 21 Stolpersteine

Fritz Liebmann, Kaufmann, wurde am 07.08.1897 in Erfurt geboren. 1930 heiratete er Alice Neuberg. Mit Tochter Marion wohnten sie in der Steinstraße 21 und führten das Geschäft der Neubergs in der Steinstraße 13. Die offene Gewalttätigkeit des 10. November 1938 war für ihn der Anstoß Deutschland zu verlassen. Am 27.03.1939 erfolgte die Flucht nach Brasilien, in den Bundesstaat Para. Danach verlieren sich die Spuren.

Alice Liebmann, geborene Neuberg, wurde am 22.04.1905 in Sarstedt im elterlichen Haus Steinstraße 13 geboren. Seit ihrer Verheiratung mit Fritz Liebmann wohnte sie in der Steinstraße 21, im Haus des Friseurmeisters Böttcher. Im März 1939 ist sie mir ihrer Familie nach Brasilien ausgewandert. Alice Liebmann ist in Brasilien verstorben und auf dem Friedhof der Stadt Belem im Bundesstaat Para befindet sich ihre letzte Ruhestätte.

Marion Liebmann wurde am 17.01.1931 in Sarstedt geboren und wohnte mit ihren Eltern im Haus Steinstraße 21 in unmittelbarer Nähe ihrer Großmutter Ida Neuberg, Steinstraße 13. Mit ihren Eltern ging die Reise auch für sie im März 1939 in eine andere Welt, nach Brasilien. Sie ist schon lange verstorben und auf dem Friedhof in Belem beigesetzt.